Der unbekannte Traum

Leseprobe aus Band 4, Seite 80 und 81

In seinem zweiten Regierungsjahr hatte König Nebukadnezar einen Traum, der ihn beunruhigte. Er grübelte eine Weile darüber nach und konnte nicht wieder einschlafen. Dann sprang er aus dem Bett. »Ruft meine Berater!«, befahl er. »Die Gelehrten und Weisen, die Wahrsager, die Zauberer und die Sterndeuter sollen kommen! Ich habe etwas Seltsames geträumt.«

Mitten in der Nacht wurden die Männer aus dem Schlaf gerissen. Sicherlich zogen sie sich eilig etwas an, eilten in den Thronsaal und fragten sich: >Was ist denn los? Gibt es Krieg?< »Es ist bestimmt etwas Schlimmes, sonst hätte man uns schlafen lassen.« vermutete einer. »Ich habe etwas geträumt, das ich nicht verstehe«, begann der König. »Ihr sollt mir diesen Traum erklären.« Den Wahrsagern und Zauberern fiel ein Stein vom Herzen. Wenn es weiter nichts war ... darauf verstanden sie sich gut. Beim Traumdeuten konnte man der Fantasie so richtig freien Lauf lassen, und keiner konnte den Betrug beweisen. »Lang lebe der König!«, sagte der Sprecher der Sterndeuter. »Erzähl uns deinen Traum, dann werden wir ihn deuten. « »Nein«, sagte der König. »Ihr sollt mir erzählen, was ich geträumt habe. Und dann sagt ihr mir, was der Traum bedeutet.« Die Wahrsager und Sterndeuter schüttelten die Köpfe - alle waren sich einig: »Das ist unmöglich!« »Das kann doch keiner!«

Nebukadnezar wurde wütend. »Wenn ihr das nicht könnt, kann und will ich euch nicht gebrauchen. Dann lasse ich euch töten, und eure Häuser werden zerstört!« Die Männer wichen zurück. Jetzt bekamen sie Angst - der König meinte es ernst! Nebukadnezar sprach weiter: »Aber wenn ihr mir den Traum erzählt und erklärt, dann überschütte ich euch mit Geschenken. Ich mache euch reich und berühmt.«

»Aber dazu müssten wir den Traum kennen, wandten die Weisen ein. »Sonst können wir ihn nicht deuten.« »Ihr sucht Ausflüchte. Ihr wollt nur Zeit gewinnen, weil ihr merkt, dass ihr mich diesmal nicht überlisten könnt. Ihr seid euch doch einig - ihr wollt mir bloß wieder Märchen erzählen und meint, ich würde es nicht merken. Dann wartet ihr, bis ich mich wieder beruhigt habe. Nichts da - es bleibt dabei: Ihr sagt mir den Traum, denn daran erkenne ich, dass ihr ihn auch richtig auslegt«, erklärte der König entschieden.

Die Gelehrten und Wahrsager seufzten: »Kein Mensch auf dieser Erde kann so etwas. Es hat auch noch nie ein König seinen Wahrsagern eine so schwere Aufgabe gestellt. Du verlangst zu viel von uns. Solch ein Geheimnis können nur die Götter lüften, aber sie wohnen nicht bei uns Menschen.« Da wurde der König erst recht wütend. »Wofür bezahle ich euch eigentlich? Ihr behauptet doch, mit den Göttern reden zu können! Ist das nur ein Trick? Ihr seid Lügner! Betrüger! Ich lasse euch alle umbringen. Hört ihr? Euch alle!«

Und sofort bekamen die Soldaten den Befehl, alle Weisen zu verhaften. Auch nach Daniel und seinen drei Freunden wurde gesucht.

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